Der Beutel des Zorns

 




Detlef B. Linke

Ein Filmessay von Thomas Schmitt und Detlef B. Linke

Kamera:
Ton:
Schnitt:
Produktionsleitung:
Redaktion:

Steffen Bohn
Christian Krämer
Thomas Schmitt
Cornelia Volmer
Kathrin Brinkmann
Sabine Bubeck-Platz

Eine TAG/TRAUM Produktion im Auftrag von ZDF/arte / 2003 / 40 Min.

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Der Herr, dein Gott, ist ein eifernder Gott in deiner Mitte. Dass nicht der Zorn des Herrn, deines Gottes, über dich entbrenne und Dich vertilge von der Erde. 5. Buch Moses

Von Anbeginn scheint der Zorn auf die eigene Kreatur die herausragende göttliche Eigenschaft zu sein, fast immer mit verheerenden Folgen für die geplagten Geschöpfe: Weil der Gott Jahwe wütend ist, dass Adam und Eva vom falschen Baum gegessen haben, wirft er sie aus dem Paradies. Später rottet er wutentbrannt seine gesamte Schöpfung aus, weil sie ihm missraten erscheint und lässt nur den ihm treu ergebenen Noah plus 'Besatzung' die Sintflut auf einer Arche überleben. Im Alten Testament finden sich alleine 331 Verse, in denen vom Zorn die Rede ist, in den allermeisten Fällen vom Zorn Gottes.

Zeus fühlt sich von den doppelge-schlechtlichen Kugelmenschen provoziert, als diese es auf Erden zu wild treiben und schließlich auch noch den Olymp stürmen wollen. Schon einmal hatten die Griechen- götter die Erde entvölkert. Diesmal teilte Zeus in seiner Wut die Geschöpfe mit einem Schwerthieb in zwei Hälften, die fortan verzweifelt auf der Suche nacheinander sind, um sich wieder zu vereinigen. Den Zorn des Zeus trifft auch Prometheus. Als dieser aus Mitleid den Menschen das Feuer auf die Erde bringt, schmiedet ihn der missgünstige Götterchef an den Atlas und läßt Prometheus von einem Adler quälen, der täglich von seiner Leber frisst.

Der Zorn der Götter verfolgt immer ein klares Ziel: die Aufrechterhaltung der 'göttlichen Ordnung', die Durchsetzung der göttlichen Macht gegenüber dem menschlichen Ungehorsam. Mag der Gott des Alten Testaments eifersüchtig und zornig sein, um so die Gläubigen in der Herde zu halten - den Sterblichen steht das nicht zu, gehört der Zorn doch zu den sieben Todsünden. Innerhalb der Gemeinde ist der Zorn zu unterdrücken. Doch im Namen Gottes darf man ihm freien Lauf lassen, wann immer es gegen die Ungläubigen geht. Von den Kreuzzügen des Mittelalters bis in unsere Zeit wüten die Menschen als Vollstrecker göttlichen Zorns gegen ihre Feinde, als Verkörperung des Bösen.

Wenn der amerikanische Präsident nach dem 11. September sagt: "Im Kampf zwischen Amerika und seinen Feinden ist Gott nicht neutral" und von der "Achse des Bösen" spricht", verklärt er die verständliche Wut einer schockierten Nation in "heiligen Zorn", der alle Mittel rechtfertigt. In seinem alttestamentarischen Fundamentalismus trifft sich Bush mit dem der islamistischen Terroristen, die ihrerseits im Namen Allahs, von heiligem Zorn getrieben, das satanische Zentrum der Ungläubigen in Schutt und Asche legen. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts scheinen wieder zunehmend Religionen die Rolle der Sinn- und Zornstifter übernommen zu haben.

„Der Beutel des Zorns“ unternimmt mit Dr. Detelf B. Linke - Philosoph und Gehirnforscher - eine rasante Reise durch die Welt des Zorns und ihrer Ikonen. Von den grollenden Göttern der Frühzeit, über wütende Massen bis hin zu den geballten Fäusten wild entschlossener Revolutionäre.