Exil, Eden, Endstation - Die Luftschlösser von Capri

 

Ein Film von Thomas Schmitt & Thomas Steinfeld

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Redaktion:

Klaus Sturm
Christian Krämer
Thomas Schmitt
Sabine Rollberg

Eine TAG/TRAUM Produktion im Auftrag von WDR/arte / 2004 / 52 Min.

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Einst herrschte Tiberius von hier aus über das Imperium. Angewidert vom öffentlichen Leben und aus Angst vor Verschwörungen hatte er Rom für immer verlassen. Was zog den Kaiser in jene vom blauen Meer umbrandete Abgeschiedenheit?

Nach dem Tode des Tiberius im Jahre 37 n. Chr. versinkt die Insel für viele Jahrhunderte in die Bedeutungslosigkeit. Für den neapolitanischen Adel existierte Capri nicht: Herrschaftliche Villen waren auf dem Felsen ohne Quellen und ohne Hafen kaum vorstellbar. Noch im späten achtzehnten Jahrhundert, zur Zeit Goethes, war der nur schlecht zugängliche Felsen im Meer vor allem ein gefahrvolles Riff, an dem die Schiffe scheiterten, während eine verkommene, barbarische Inselbevölkerung darauf hoffte, in absehbarer Zeit die Wracks plündern zu können.

Wieder entdeckt wurde Capri zu Beginn des neunzehnten Jahrhunderts von den Künstlern des Nordens, die hier billig leben konnten und zugleich die Verwirklichung eines romantischen Landschaftsideals vorfanden. Weil russische, deutsche, englische, schwedische Künstler nach Capri gingen, hielt man Capri für künstlerisch, und manch anderer wollte gern ein Künstler sein, wenn er nur in Capri wohnte. So kommt es, daß sich die jüngsten zwei Jahrhunderte dieser zehn Quadratkilometer erzählen lassen, als habe man einen Almanach der europäischen Prominenz vor sich. Auf Capri richtet sich in den letzten Dekaden des neunzehnten Jahrhunderts eine der größten europäischen Künstlerkolonien ein.

Wladimir Iljitsch Lenin gründet auf Capri mit Maxim Gorki die erste kommunistische Partei- schule. Axel Munthe und Curzio Malaparte setzen sich mit ihren Capri-Villen ausgefallen Denkmäler. Der französische Baron Jacques von Adelswärd-Fersen baut sich unterhalb der kaiserlichen Villa Jovis ein Schlößchen, widmet es der Liebe zur Jugend und eifert dem Tiberius nach, indem er es zur Bühne ausschweifenden Saturnalien macht. Jean-Luc Godard dreht auf Capri "Le Mépris" mit Brigitte Bardot und Michel Piccoli. Fritz Lang spielt in dem Film einen Regisseur, der auf dem Dach von Malapartes "Treppenhaus" die "Odyssee" inszeniert.